Computerzusammenbau - How to

Status
Nicht offen für weitere Antworten.

DarknessFalls

Well-known member
Mitglied seit
28 Oktober 2006
Beiträge
13.687
Danke
321
#1
Computerzusammenbau ist kein Hexenwerk, solange man drei grundsätzliche Regeln beachtet:

1. Sorgfältig arbeiten
2. Sorgfältig arbeiten
3. Sorgfältig arbeiten


Wie die "Kunst" des Rechnerzusammenbaus im Einzelnen funktioniert, soll Euch nun dieses kleine Tutorial zeigen:

Materialien für den Beispiel-Zusammenbau sind...

- Gehäuse Revoltec Fifty1
- Motherboard ASRock M3A UCC
- CPU AMD Athlon II X2 240 (tray)
- 4GB DDR3-1333 G.Skill
- Grafikkarte ATi Radeon HD5570
- Netzteil Cougar A 350 Watt
- Festplatte SATA II, Hitachi, 500GB
- DVD-RW NEC/Sony
- Boxed-Kühler AMD Phenom II X4 945


Was fehlt? Richtig, Werkzeug:


Kabelbinder, Schere, Schraubendreher mit Magnetkopf - mehr braucht's nicht.

Also - Los geht's. Gehäuse auspacken


...und Seitenwand runter.


Wie gut zu erkennen ist, sind im Gehäuse noch keine Abstandshalter angebracht, die aber für den Mainboardeinbau unerlässlich sind. Also schnell einen Blick auf die mitgelieferten Schrauben geworfen:


Hier sehen wir (von links nach rechts):

- Abstandshalter
- Laufwerksschrauben
- Netzteilschrauben
- Mainboardschrauben

Alles da, also kann's losgehen. Fangen wir mit dem gewichtsmässig schwersten Teil des Rechners (neben dem Gehäuse) an, dem Netzteil:


Aufgrund der Verschraubungen lässt sich das Netzteil normalerweise nur auf eine Art in das Gehäuse verpflanzen (hier Montage oben im Gehäuse):


Faustregel, egal ob oben oder unten im Gehäuse: Achtet einfach darauf, daß das Netzteil "Luft" bekommt. Alles andere ist falsch.

Noch eben vier Schrauben andrehen, dann ist es "drin":


Die Abstandshalter nun in das Gehäuse schrauben, das geht bequem von Hand. Später mit den Mainboardschrauben ziehen sie sich automatisch richtig fest.


Im Fall des ASRock M3A UCC braucht es sieben Schrauben, bei breiteren Boards sind es auch gerne mal neun oder gar zehn. Achtet peinlichst darauf, daß Ihr die Abstandshalter dort in das Gehäuse einsetzt, wo das Board auch Löcher hat - ein Abstandshalter an der Stelle, wo das Board KEIN Loch hat, führt ratzfatz zu einem Kurzschluss und dem zügigen Ableben des Mainboards!

Zeit, das Board auszupacken:


Board, ATX-Blende, 2 SATA-Kabel, eine Treiber-CD. Spartanische Ausstattung, aber ausreichend. Zunächst die ATX-Blende als Staubschutz ins Gehäuse einbauen:


Die ATX-Blende wird mit sanfter Gewalt (okay, manchmal muss man auch etwas heftiger drücken - das ist aber der EINZIGE Punkt des Rechnerzusammenbaus, wo sowas wie Gewalt notwendig ist!) in das Gehäuse gedrückt. Auf dem Foto erkennt man gut die "Nippel" mit denen sich die ATX-Blende einhakt.


Sie rastet deutlich hörbar ein und ist dann bündig mit dem Gehäuse.
 

DarknessFalls

Well-known member
Mitglied seit
28 Oktober 2006
Beiträge
13.687
Danke
321
#2
Teil 2 - Mainboard, CPU, Kühler

Jetzt geht's los mit dem empfindlicheren Teilen des Rechners, angefangen mit dem Motherboard. Hier zuvor eine Warnung:

KEINESFALLS und damit meine ich WIRKLICH unter KEINEN Umständen auf die Platinen patschen. Der menschliche Körper neigt dazu, sich statisch aufzuladen. Derartige statische Ladungen werden dann bei Berührung nur zu gerne auf elektronische Komponenten übertragen, wo sie zu feinen Kurzschlüssen und somit im Extremfall zur Unbrauchbarkeit des Bauteils führen können.

Was folgt daraus? Die Komponente, in diesem Fall das Mainboard, möglichst nur ganz außen am Rand halten (mit beiden Händen) oder, wenn gerade nur eine Hand frei ist, z.B. am Retention-Modul der CPU oder dem Northbridge-Kühler halten:


Das Board möglichst passend auf die Schrauben legen, dabei darauf achten, daß die Anschlüsse in die passenden Aussparungen der ATX-Blende rutschen. Möglicherweise muss zuvor die eine oder andere Nase an der ATX-Blende umgebogen werden, also aufmerksam schauen, was da passt oder nicht passt.

Möglicherweise muss das Board mit sanftem Druck gegen die ATX-Blende gedrückt werden, bis die Schraublöcher passend liegen. In dem Fall mit einer in der Mitte liegenden Schraube anfangen, das Board zu fixieren, danach jeweils eine am oberen und eine am unteren Ende setzen - aber nicht richtig festziehen, das erst, wenn alle Schrauben sitzen.




Nachdem das Board mit den Schrauben fixiert ist (denkt dran, wenn Ihr die Schrauben am Ende festzieht, brauchen die nicht volles Rohr angeknallt zu werden!), ist es nun Zeit für die CPU. Zunächst den Arretierhebel am Sockel lösen:


...dann die CPU beäugen - hier findet sich an einer Ecke ein goldenes Dreieck:


Analog dazu werdet Ihr auf dem Sockel eine gleichartige Einkerbung finden (die ich leider fotografisch nicht festhalten kann, krieg's nicht scharf gestellt) - logisch, daß beides übereinander gehört.

Wenn an der CPU keine PINs verbogen sind, sollte sie widerstandslos in den Sockel gleiten. Sollte das NICHT so sein, prüft, ob Ihr die CPU richtig aufgesetzt habt, anschließend schaut nach eventuell verbogenen PINs. Sollten PINs verbogen sein, können diese mit VIEL Feingefühl und einem kleinen Schraubendreher ÄUSSERST vorsichtig geradegebogen werden.


Danach den Arretierhebel wieder herunterdrücken, bis er am Sockel einhakt:


Als kleine Anmerkung an dieser Stelle noch: Bei aktuellen Intel-CPUs ist es genau umgekehrt - PINs auf dem Board, Löcher in der CPU... also keine Panik, wenn Eurer Intel-CPU die PINs fehlen.

Soweit, so gut. Eine CPU will natürlich auch gekühlt werden. Zu diesem Zweck verwende ich hier einen Boxed-Kühler eines Phenom II X4 945. Bei "größeren" Kühlern ist das Prozedere oft gleich (z.B. Scythe Katana), andere wiederum (z.B. Xigmatek Achilles, Noctua NH-D12) wollen verschraubt werden - hierzu zieht unbedingt die Anleitung des jeweiligen Kühlers zurate.

Ein neuer Boxed-Kühler hat bereits brauchbare Wärmeleitpaste angebracht, so daß der Part mit dem Auftragen der WLP entfällt. Hier jedoch wird neue Wärmeleitpaste von Noctua aufgetragen. Man braucht:


...natürlich den Kühler, eine Spritze Wärmeleitpaste und etwas zum Verstreichen, hier eine Scheckkarte.

Von der Wärmeleitpaste erstmal eine ordentlich erbsengroße Kugel auf die CPU auftragen:


...das Ganze dann mit einer Scheckkarte (Plastik ist relativ weich und nicht leitend) auf der CPU verteilen, bis die CPU flächig und hauchdünn mit der WLP bedeckt ist. Wenn nötig, noch etwas WLP nachgeben und weiter verstreichen.


An dieser Stelle eine kleine Anmerkung in eigener Sache: Ich habe hier zwar die Wärmeleitpaste von Noctua verwendet, die auch hervorragende Wärmeleiteigenschaften hat, ich bevorzuge aber eigentlich Arctic Silver 5, weil sie sich einfach wesentlich leichter verarbeiten lässt - sie lässt sich angenehmer verteilen.

So, wo waren wir? Ach ja - WLP ist drauf, jetzt folgt der Kühler. Den Kühler aufsetzen, die Haltebügel einhaken. Wer zuvor den Hebel an den Haltebügeln nicht umgelegt hat, sollte das jetzt tun, sonst wird es ein unmögliches Unterfangen...

Sind die Haltebügel an den Nasen des Retention-Moduls eingehakt, nun den Arretierungshebel umlegen:


Jetzt noch ganz wichtig und nicht zu vergessen: Stromversorgung für den Lüfter des CPU-Kühlers... anstecken an den "CPU-Fan"-Anschluss des Mainboards:


Soweit, so gut, Mainboard, CPU und Kühler sind montiert. Es ist aber nicht so, daß wir jetzt schon fertig wären...
 

DarknessFalls

Well-known member
Mitglied seit
28 Oktober 2006
Beiträge
13.687
Danke
321
#3
Teil 3 - RAM, Grafikkarte, Laufwerke

Weiter geht's mit dem RAM:


Wie unschwer auf dem Foto zu erkennen ist, haben die RAM-Bausteine Einkerbungen, deren Gegenstück sich in den RAM-Slots befindet. Das bewirkt, daß man die RAMs eigentlich nicht "falsch herum" einsetzen kann - außer mit roher Gewalt.

Um den RAM einzubauen, die Arretierungen an den RAM-Steckplätzen nach außen klappen und den RAM passend einsetzen. Mit etwas stärkerem Druck wird der RAM dann in die Steckplätze hineingedrückt, so daß die Arretierungen selbständig einrasten.




Damit die RAM-Bausteine im schnellen Dual-Channel laufen, müssen sie passend eingesetzt werden; hier beim ASRock M3A UCC in die gleichfarbigen, nebeneinander liegenden RAM-Slots. Da das jedoch von Board zu Board variiert, zieht jeweils das Handbuch zu Rate.

Weiter geht's mit der Grafikkarte, in diesem Fall eine ATi Radeon HD5570 von Club3D:


Zu beachten ist, daß diese Grafikkarte keinen gesonderten Stromanschluss hat. Leistungsstärkere Grafikkarten besitzen oftmals einen 6-pol PCIe-Anschluss oder derer gar zwei, manchmal kommt auch ein 8-pol-PCIe zum Einsatz. Der Anschluss dieser Stecker erfolgt später - ich werde ihn im Abschnitt "Stromvesorgung" noch erwähnen.

Um die Grafikkarte einzubauen, muss zunächst der Slot im Gehäuse "frei" gemacht werden:


Seid dabei unbedingt vorsichtig, nicht bei allen Gehäusen kann man einfach eine Slotblende abschrauben, gerade bei günstigeren Gehäusen ist es wie beim Revoltec Fifty1; dort muss die Slotblende herausgebrochen werden. Hierbei kann man durchaus schonmal auf das Board abrutschen, wenn man nicht sorgfältig genug ist.

Ist die Slotblende entfernt, kann die Grafikkarte in den PCIe-Port gesteckt werden:


In der Regel findet man am "hinteren" Ende des PCIe-Ports eine Arretierung für die GraKa, die entweder automatisch einrastet oder, wie in diesem Fall, manuell nach vorne geschoben werden muss (leider etwas unscharf).


Zuletzt die Grafikkarte noch mit einer Schraube fixieren - insofern keine "Quick-In-Out"-Halterung vorhanden ist.


Weiter geht's mit den Laufwerken. Während die Festplatte innen in einem der "schmalen" Laufwerkskäfige verschraubt wird, muss das DVD-ROM von außen in das Gehäuse hineingeschoben werden:


Hierzu muss die Laufwerksblende entfernt werden, wie das im Einzelnen bei Eurem Gehäuse geht - try and error. ;)

Das Laufwerk anschließend von vorne in den Laufwerksschacht schieben, bis die Front bündig mit der Gehäusefront ist.




Nun sollten die Schraubenlöcher des Laufwerkes zu denen im Gehäuse passen, so daß das Laufwerk verschraubt werden kann. Je nach Gehäuse gibt es auch hier "Quick-In-Out"-Halterungen, die schraubenlose Montage erlauben.

Nachdem nun alle Komponenten im Rechner verbaut sind, kommen wir zur gefürchteten Verkabelung - und damit zum Steckenpferd des Dark... dem Kabelmanagement...

:crazy:
 

DarknessFalls

Well-known member
Mitglied seit
28 Oktober 2006
Beiträge
13.687
Danke
321
#4
Teil 4 - Stromversorgung, Kabelmanagement, Gehäuselüfter


Jau, das sind ne Menge Kabel, gell? Glaubt mir, sind es NICHT. Das Cougar A 350 Watt hat noch vergleichsweise wenige Kabel, leistungsstärkere Netzteile bringen locker das Doppelte mit. Selbst mit einem Netzteil, das Kabelmanagement bietet, kommt man bei der Verwendung von zwei DVD-Laufwerken, einer SSD, einer HDD und einer leistungsstarken Grafikkarte mit zwei PCIe-Steckern auf ein ganz schönes Gewühle... da geht es hier regelrecht gesittet zu.

Also ran ans Anschließen und Ordnen - ich hoffe, Kabelbinder sind griffbereit. ;)

Los geht's mit dem Stecker, der die häufigste Fehlerquelle ist bei "Habe meinen neuen Rechner zusammengebaut, bekomme aber kein Bild." - der 4/8-Pol ATX-Zusatzstecker für die CPU. Links neben der CPU befindet sich bei aktuellen Boards je nach Layout ein 4- oder aber 8-poliger Steckplatz, zu dem Euer Netzteil GARANTIERT das passende Gegenstück in Form eines teilbaren 8-poligen Steckers hat:


Wenn Ihr einen 4-poligen Steckplatz habt, schaut genau hin, welcher der beiden Steckerteile hineingehört, die Nasen sind spezifisch ausgeformt!

Als nächstes wäre der "große Bruder" dieses Zusatzsteckers dran, der 20/24-Pol-ATX-Stecker. Der Steckplatz des M3A UCC bietet die Möglichkeit, einen 20-poligen "alten" ATX-Stecker zu verwenden; wollen wir aber nicht, also weg mit dem kleinen gelben Aufkleber.




Wie auch der 4/8-Pol rastet der 20/24-Pol hörbar ein, eine Nase klinkt sich am Steckplatz ein. Achtet darauf, daß die Stecker eingerastet sind!

Damit die Kabel nicht wüst im Rechner hängen, was nicht nur mau aussieht, sondern auch den Airflow negativ beeinflusst, sollten nun die Kabelbinder zum Einsatz kommen. Gerade im hier gezeigten Revoltec Fifty1 sind keine Kabelführungen vorgesehen, so daß getrickst werden muss - aber mit etwas Geduld und Spucke geht auch das.

Der Trick ist, die Kabel möglichst kurze Wege bis dahin gehen zu lassen, wo man sie verstecken kann, seien es Laufwerkskäfige oder ähnliches. Diesen Weg sollten sie gebündelt machen, damit es optisch "sauberer" aussieht:


Wie es dort aussieht, wo es keiner sieht? Och... interessiert doch nicht... oder? ;)


Jetzt noch schnell die restlichen Kabel (nicht vergessen, auch DVD-ROM und HDD wollen Strom - und dann ist da möglicherweise auch noch die Grafikkarte, die nach einem 6-Pol PCIe-Stecker oder mehr lechzt) wie Front USB oder Front Audio:


Diese Anschlüsse passen nur auf EINE Art auf die jeweiligen Steckplätze des Mainboards, ihnen fehlt, wenn Ihr genau hinschaut, jeweils ein Loch, wozu passend jeweils ein PIN am Steckplatz fehlt. Also - keine Bange, USB und Front AUDIO stellen kein Problem dar.

Bei Gehäusen mit Front-USB 3.0 ist es aktuell übrigens noch meist so, daß das Front-USB 3.0 mit einer Verlängerung vom USB-3.0-Port hinten nach vorne durchgeschleift wird. Nur selten findet man bisher bei Gehäusen einen internen Anschluss für USB 3.0.

[Anmerkung: Bei einigen älteren Gehäusen ist es möglich, daß die USB- und Front-Audio-Stecker NICHT komplett sind sondern als einzelne Pins mit kryptischen Bezeichnungen vorliegen. In dem Fall das Handbuch des Boards zurate ziehen und fummeln - leider gibt es da keine allgemeingültige "Anleitung" für.]


Die Anschlüsse für den Sys-Speaker, den Power-Button, Reset-Button, Power LED, HDD LED sind je nach Board anders belegt - also auch da, individuell schauen und das Handbuch zurate ziehen. Aber auch hier - kein Hexenwerk.

Jetzt nochmal die Kabelbinder schwingen:


...bevor in diesem Fall die dusseligen roten SATA-Kabel die ganze Optik versauen... :motz:


Nunja, wäre das mein Rechner, hätte ich jetzt vermutlich schwarze Kabel in passenden Längen verwendet. :crazy:

Was bleibt? Ach ja, die Gehäusebelüftung. Den im Revoltec vorhandenen Frontlüfter habe ich abgeklemmt gelassen - das Brüllschwein hält keine Sau aus. Hinten unterhalb des Netzteiles kommt ein 120er von Noctua zum Einsatz:


In einem Rechner mit einer starken Quad-CPU und einer kräftigen Single-GPU-Grafikkarte reicht eine solche Belüftung in der Regel aus - soll aber OC betrieben werden, geht kein Weg an mehr Lüftern vorbei.

Noch schnell den Gehäuselüfter anschließen (Case-Fan, Sys-Fan, o.ä.) und fertig ist der Rechner.


Was nun bleibt, ist der Probelauf und die Windowsinstallation...

Wenn's jetzt nicht läuft? Fröhliche Fehlersuche... meist ist es ein winziges Detail, das übersehen wurde... steckt der 4/8-Pol-ATX-Stecker?!

:kaffee:
 
Status
Nicht offen für weitere Antworten.
Oben